STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Tischler in Rheinsberg

Eckhard Bartel
(aus: Märker; 28.09.2013)

Älteste Erwähnung aus dem Jahr 1710
Der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg hat recherchiert und einige interessante Details über die Tischler und ihr Handwerk gefunden.
Ebenso wie andere Handwerker bekamen, auch die Rheinsberger Tischler zwischen 1734 und 1735 ihre Gildebriefe von Friedrich Wilhelm I. überreicht. Anlass waren - wie bereits in den vorangegangenen Beiträgen berichtet -die inzwischen zu strengen und veralteten Zunftzwang Gesetze. So berichtet zum Beispiel Tessner in seiner Chronik, dass damals der Bürger Caspar Albrecht von den Tischler-Altmeistern wegen Pfuscherei angezeigt wurde, weil er „bei Herrn Fredersdorffen (Ratskeller) einige Löcher zugeschlagen und vier Treppenstufen verfertigt hatte." Wegen seines Alters wurde er aber „pardoniert" und zu 2 Reichstalern Strafe verurteilt. Tischler hat es wahrscheinlich schon in früheren Zeiten in Rheinsberg gegeben, jedoch sind die ältesten dem Verein Stadtgeschichte Rheinsberg bekannten namentlichen Erwähnungen. das Sterbedatum der Tischlermeister Johannes Rost im Jahr 1710 und Johann Schlüter im Jahr 1729. Erich Goßmann berichtet aus den Jahren 1926/27 von zehn zu der Zeit bestehenden Tischlereien. Diese waren: Otto Bubach, Seestraße 2; Albert Hintze, Schlossstraße 13; Albert Lamprecht, Schlossstraße 21; Max Paul, Kirchstraße 6; Albert Reinke, Lange Straße 60; Hermann Rönnefahrt, Königstraße 19; Ernst Rönnefahrt, Königstraße 19; August Steffen, Schlossstraße 29; Wilhelm Scheibel, Friedrichstraße 21 sowie Paul Weiß, Paulshorster Straße. Die älteste dem Verein Stadtgeschichte Rheinsberg bekannte Rheinsberger Tischlerei befand sich in der heutigen Kurt-Tucholsky-Straße 21. Tischlermeister Wilhelm Scheibel führte dort seinen Handwerksbetrieb von 1880 bis etwa 1930. Scheibel hatte im Rahmen der erforderlichen Tischlerarbeiten auch am Bau der neuen Schule in der Schlossstraße mitgewirkt. Ebenso arbeitete er gemeinsam mit den Rheinsberger Tischlermeistern Paul und Steffen am Hauptgebäude in Hohenelse und anderen Gebäuden in Rheinsberg und Umgebung mit. Sein Sohn, Fritz Scheibel, trat 1930 die Nachfolge an und war als selbstständiger Tischlermeister bis zum Beginn seines Ruhestandes im Jahr 1970 dort tätig. Eine weitere Tischlerei befand sich von 1890 bis 1913 in der Mühlenstraße 19. Tischlermeister Robert Rönnefahrt ging dort seiner Arbeit nach, aber es liegen leider keine weiteren Informationen dazu vor. Ebenso verhält es sich mit dem von zirka 1907 bis 1920 bestehenden Handwerksbetrieb von Tischlermeister Albert Reinicke in der Langen Straße 60. Weitaus mehr Informationen liegen zu Tischlermeister August Steffen vor, dessen Betrieb sich von 1894 bis 1907 in der Langen Straße 39 befand. Sein Sohn, der ebenfalls den Vornamen August trug, hatte ebenfalls das Tischlerhandwerk erlernt und die Werkstatt ab 1907 übernommen. Schon 1902 hatte er, da das Elternhaus inzwischen zu klein geworden war, sich dazu entschlossen, auf dem Grundstück Schlossstraße 26 ein größeres Gebäude und ein Wohnhaus zu errichten. Um recht bald in den dann größeren Räumlichkeiten arbeiten zu können, ließ Steffen das Hinterhaus und einen Seitenflügel zuerst bauen. Im Jahr 1907 errichtete der Rheinsberger Maurermeister Seifert das Wohnhaus. Seinen Betrieb hatte August Steffen mit dem im Keller eingebauten Gasmotor von der Energieversorgung unabhängig gemacht, denn dieses Aggregat trieb seine Maschinen an. Im Jahr 1935 wurde der Tischlereibetrieb aus Altersgründen eingestellt. An dieser Stelle bietet es sich an, den Rheinsberger Tischler Carl Schütze zu erwähnen. Seine Werkstatt befand sich bis 1945 in den Kellerräumen des Hauses Berliner Straße 1. Da er aus dem Krieg nicht heimkehrte, hatte seine Ehefrau die Tischlerei weiterhin aufrechterhalten. Sohn Siegfried Schütze - ebenfalls Tischler - kehrte darum aus Hamburg nach Rheinsberg zurück und übernahm den Betrieb. Er interessierte sich aber bald für die nicht mehr genutzten Räume der Tischlerei von August Steffen und zog schließlich 1950 mit seinem Betrieb dort ein. Hier arbeitete er bis 1954 mit dem Tischlergesellen Mohnke zusammen, später Möbelverkäufer im Ratskeller, und trat dann als Lehrer in den Schuldienst. Dort gab er Werkunterricht. Eine weitere Tischlerei befand sich in der heutigen Schlossstraße 15. Albert Lamprecht hatte dort von etwa 1907 bis etwa 1912 seine Tischlerei, bevor er in die heutige Schlossstraße 21 umzog. Bis etwa 1935 ging er seinem Handwerk nach, bevor sein Sohn Martin den Betrieb übernahm, der ihn noch bis Ende der 1960er Jahre weiterführte. Es folgte eine lange Ruhephase an diesem Standort, bis 1985 der Tischlermeister Günter Kress, Vater des heutigen Tischlermeisters Olaf Kress, den Betrieb wieder aufnahm und ihn bis zum Jahr 1988 fortsetzte. Damit war dann die Zeit der Tischlerei in diesem Hause beendet. Der Tischler Ernst Rönnefahrt hatte in der Königstraße 19 seinen Betrieb. Leider sind dafür keine weiteren Infos vorhanden. In der heutigen Kurt-Tucholsky-Straße 1 (Bullenwinkel) war ebenfalls ein Tischlereibetrieb. Dort arbeitete von 1935 bis 1965 Tischlermeister Hermann Rönnefahrt. Zu einer der größeren Rheinsberger Tischlereien gehörte die Tischlerei Paul in der Kirchstraße 6. Sie konnte 1941 ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Emil Paul führte den Betrieb von etwa 1900 bis zirka 1925 und übergab ihn dann an seinen Sohn Max, der das Unternehmen bis 1960 führte. Die Tischlerei Paul war mit vielen Arbeiten an Rheinsberger Bauprojekten beauftragt. Auch eine Reihe der von Tischlermeister Paul hergestellten Möbel befindet sich noch heute im Besitz einiger Rheinsberger Bürger. Nach einer Zeit des Stillstandes übernahm dann Tischlermeister Heinz Schäfer im Jahr 1968 den Tischlereibetrieb und wirkte dort bis 1970. Die Kommunale Wohnungsverwaltung Rheinsberg (KWV) zog als nächster Nutzer mit ihrer Tischlerei in diese Räumlichkeiten und arbeitete dort bis kurz nach der Wende. Nach deren Auszug wurden aus den Räumen Ferienwohnungen. Als einziger Tischlereibetrieb in Rheinsberg besteht heute noch die Tischlerei Olaf Kress. Kress und sein Geselle Christian Schläfke waren beide einst als Tischler in der Rheinsberger Wohnungsgesellschaft angestellt. Olaf Kress machte sich 2004 selbstständig und richtete zunächst in einer Lkw-Garage auf dem Hof der damaligen Rheinsberger Wohnungsgesellschaft (REWOGE) in der Schillerstraße seinen Betrieb ein. Später bot sich die Gelegenheit, geeignete Räumlichkeiten in einem Nebengebäude des ehemaligen Dieselkraftwerkes in der Berliner Chaussee 8 anzumieten. Dort besteht sein Tischlereibetrieb noch heute.

 
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