STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Mit Akribie wird am Rheinsberger Schloss gewerkelt

Nach einem Stadtmodell arbeitet Hans-Jürgen Kuhnert jetzt am Jugendwohnsitz des Kronprinzen Friedrich

Wenn Hans-Jürgen Kuhnert in seiner privaten Tischlerwerkstatt sägen, bohren, schrauben und kleben kann, dann ist er in seinen Element. Jetzt hat sich der 69-jährige einer besonderen Aufgabe gestellt – er will das Rheinsberger Schloss im Miniaturformat nachbauen.
Die Idee dazu kommt nicht von ungefähr. Kuhnert ist aktives Mitglied im Verein Stadtgeschichte Rheinsberg. Er interessiert sich für die Historie seiner Heimatstadt. Deshalb hat er auch ohne groß zu überlegen zugesagt, als er vom Vorsitzenden des Vereins Jörg Möller gefragt wurde, ob er nicht Lust hat, ein begonnenes Werk zu vollenden.
Möller hatte im Internet eine Anzeige gefunden, in der es um das Schloss des Kronprinzen Friedrich ging. Jemand hatte begonnen, das historische Ensemble aus Holz nachzubauen. Doch dieser Hobbybastler war gestorben und nun wollten sich die Nachfahren von den Bauteilen trennen und suchten jemand, der das Werk vollendet. Möller erwarb für seinen Verein das begonnene Schloss und Hans-Jürgen Kuhnert war auf einen Schlag zum Baumeister geworden.
Es war im Frühjahr dieses Jahres, als die Wände und halbfertigen Teile des Schlosses bei dem Rheinsberger landeten. Doch erst jetzt wurde dem Hobbytischler bewusst, auf was er sich eingelassen hatte. Wer Hans-Jürgen Kuhnert kennt, der weiß, wie gewissenhaft und penibel er ist. Das trifft besonders zu, wenn er mit Holz arbeitet. Zuerst ging es darum, eine Bestandaufnahme zu machen, um zu schauen, welche Teile wie weit angefertigt sind.
Die erste Aufgabe war es, eine zweimal zwei Meter große Grundplatte zu beschaffen. Dann galt es, die bereits fertigen Teile darauf aufzubauen. Inzwischen stehen die Außenwände und die beiden Türme mit der Kolonnade, die auch bereits über Dächer verfügen. Beeindruckend ist die Detailtreue, auf die Hans-Jürgen Kuhnert besonderen Wert legt. Die Fenster, die Türfassungen und sonstigen Verzierungen, alles soll so originalgetreu wie möglich dargestellt werden.
„Zum Glück hab ich wegen der Corona-Pandemie viel Zeit, um mich mit dem Schlossmodell zu beschäftigen“, erklärt Kuhnert, der gelernter Lagerist ist. Seine private Holzwerkstatt ist zwar unbeheizt, aber das mache ihm nichts aus. Trotzdem wäre er froh, wenn es bald etwas wärmer wird, denn im Moment ist er am überlegen, wie das Dach auf das Schloss kommt. Aus unterschiedlichen Perspektiven hat er sich Fotos besorgt, um zu schauen und zu kontrollieren, wie das historische Gebäude aussieht.
Sorgen macht sich Kuhnert noch um die Farbgebung. Aber auch die vielen Details, wie die kunstvollen Attika-Figuren über dem Eingangsportal, die Geländer an den Fenstern sowie die Putten zu beiden Seiten unterhalb der Kolonnade, erfordern das ganze Geschick des Hobbytischlers und Bastlers. Selbst die Dacheindeckung soll später wie die am Originalbauwerk wirken.
Erfahrung mit solch akribischen Arbeiten hat der Holzwurm in Spe allemal: In einem Raum neben der Werkstatt präsentiert Hans-Jürgen Kuhnert die Stadt Rheinsberg als Modell, wie sie Mitte des 18. Jahrhunderts aussah. Dargestellt ist Rheinsberg vor 1742 mit der Stadtmauer, den Stadttoren, der Wasserburg, die damals ein Turm zierte, mit zwei Kirchen und natürlich den Straßen und Bürgerhäusern.
Sowohl das historische Stadtmodell, als auch das Schloss im Miniformat sollen später einen Platz im Haus der Stadtgeschichte in der Seestraße 22 finden. Doch bis es soweit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Während das in einem Lichtkasten befindliche Stadtmodell schon die Ausstellungsreife erreicht hat, wird Hans-Jürgen Kuhnert noch manche Stunde am Schloss zu werkeln haben.

Jürgen Rammelt

Hans-Jürgen Kuhnert mit dem Modell der mittelalterlichen Stadt Rheinsberg

Modell der Stadt

Modell des Schlosses
 
. Stadtgeschichte Rheinsberg e. V. Geschichtsbörse 2011