STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Erinnerung an einen Liebesaufenthalt

Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 20.05.2022)

Erinnerungen an einen Liebesaufenthalt Rheinsberg. Historisches Der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg kümmert sich um fast vergessenes Schild. Rheinsberg Einer der wohl bekanntesten Bäume von Rheinsberg steht auf dem Marktplatz der Prinzenstadt. Es ist eine Kastanie, wenige Meter entfernt vom Denkmal des Kronprinzen. Der Baum mit der Katasternummer 274 wurde berühmt durch ein Schild, das an den Besuch des Dichters Kurt Tucholsky im Jahre 1911 erinnert. Der Schriftsteller war damals mit seiner Freundin Else Weill, die als Claire verewigte, nach Rheinsberg gekommen und verlebte in der Stadt ein romantisches Wochenende. Über den Aufenthalt schrieb Tucholsky 1912 sein „Rheinsberg Ein Bilderbuch für Verliebte", das in die Weltliteratur einging. Die Geschichte wurde 1967 unter der Regie von Kurt Hoffmann verfilmt, erschien als Hörspiel und darf in keiner Reiseerzählung über Rheinsberg fehlen. Hundertfach wurde auch das Schild, das bereits zu DDR-Zeiten an der Kastanie angebracht wurde, von Touristen und Besuchern fotografiert. Doch wie so oft nagte die Witterung an der ovalen Holztafel und deren Aufschrift. Der Spruch „Liebesspendende glückbringende von Zauber behaftete kleine Stadt Rheinsberg-Wir umarmen Dich Wolf und Claire" war Anfang der 1990er-Jahre kaum noch zu lesen. Damals war es Hans-Norbert Gast, der das nicht weiter mit ansehen wollte. Der geschichtsinteressierte gebürtige Rheinsberger restaurierte 1993 kurzerhand das auseinandergebrochene Schild, sodass es auch danach er-halten blieb. Doch im vergangenen Jahr war die Tafel erneut in einem so desolaten Zustand, der nach Hilfe rief. Eines Tages war dann das Schild verschwunden. Als Provisorium wurde kurz danach im A-4-Format eine Abbildung in einer Plastikhülle an den Baum getackert, was wie ein schlechter Scherz wirkte. „Die Geschmacklosigkeit ist nicht zu überbieten", echauffierte sich unlängst ein Rheinsberger, der allerdings seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dieser Auffassung waren auch einige Mitglieder des Vereins Stadtgeschichte, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollten. Man wurde sich schnell einig und beschloss, für Abhilfe und Ersatz zu sorgen. Inzwischen hat ein Mitglied des Vereins ein neues Schild angefertigt. Wenn die Grundierung erfolgt ist, wird Ute Gimajew, eine Restauratorin, die ebenfalls Mitglied im Verein Stadtgeschichte ist, die Beschriftung auf die Tafel aufbringen. Demnächst wird der Geschichtsverein dann dafür sorgen, dass das Schild wieder an der Kastanie angebracht wird. Hans-Norbert Gast, freut sich schon darauf. Der ehrenamtliche Stadtführer, der mit der Geschichte seiner Heimatstadt verwachsen ist, wird dann auch wieder einige Episoden vom Aufenthalt Tucholskys in Rheinsberg seinen Gästen erzählen können. Jr Bild links unten: Das Schild, das an Kurt Tucholskys Besuch erinnert, wird derzeit restauriert Bild rechts unten: Ein Zettel ersetzt das Schild, das an einer Kastanie am Marktplatz angebracht war.

 
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