STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Mehr als nur Keramik und Kernkraft

Regine Buddeke
(aus: Märkische Allgemeine; 17.05.2021)

Mehr als nur Keramik und Kernkraft
Neue Ausstellung über Rheinsbergs Industriekultur im Haus für Stadtgeschichte
Rheinsberg Tucholsky hat in Rheinsberg Urlaub gemacht – und war damit nicht der Einzige. Das Städtchen ist ein Touristenmagnet: Man denkt an das Schloss und Pferdekutsche, Wald und See – aber nicht unbedingt an Industrie. Aber auch die hat immer eine Rolle gespielt in Rheinsberg, wie die neue Ausstellung des Vereins für Stadtgeschichte zeigt. Mehr als 20 Neugierige sind am Sonntag gekommen, um einen ernsten Blick darauf zuwerfen. Bei der Schau habe man sich, so erklärt Vereinschef Jörg Möller, erstmals ein Thema des „Kulturlands Brandenburg“ gewidmet: „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Brandenburg“ hieß es in diesem Jahr. „Ein schwieriges Thema für eine Urlaubsstadt wie Rheinsberg“, bekennt er. Aber der Verein habe bereits den Jahreskalender unter dieses Motto gestellt. „Es war wie in jedem Jahr: Zuerst hatten wir Sorge, woher wir zwölf Motive nehmen sollen, und dann hatten wir so viel Material, dass wir nicht wussten, wie wir es unterbringen sollen“, erinnert sich der Vereinschef. Die langjährige Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg, Brigitte Farber – Schmidt, hat es sich nicht nehmen lassen, zur Eröffnung nach Rheinsberg zu kommen. „Wir sind froh, dass sie den Mut hatten, den Thematischen Ball aufzunehmen“, lobt sie. Auch weil es mit den Ausstellungen in Corona Zeiten ein ewiges Öffnen und Wieder – Schließen sei. Das sei bitter. Umso mehr ist sie froh, dass auch kleinere Einrichtungen mit so viel privatem Engagement am Themenjahr teilnehmen, bei dem mehr als 40 Projekte – in ganz unterschiedlichen Formaten – finanziell gefördert werden. „Industriekultur in Brandenburg ist nicht nur die Lausitz“, sagt sie. Wohl war: Auch in Rheinsberg waren viele Industriezweige gut im Geschäft. Und wer bei Rheinsberg allein an Keramik und Kernkraftwerk denke, so Jörg Möller, liege falsch. Die kleine Stadt hatte in der Vergangenheit einiges mehr zu bieten. Das haben auch die beiden Ausstellungsgestalterinnen, die Schwestern Sandra Bothe und Susan Kraudßun, bemerkt – beide betreiben in Rheinsberg eine Werbeagentur. „Bei Industriekultur habe ich auch zuerst an Schaufelräder in der Lausitz oder Schornsteine in Schwedt gedacht“, erzählt Sandra Bothe. Sie habe sich bei der Arbeit jedoch schnell ein anderes Bild machen können. „Wir hatten genau 22 Quadratmeter für die Schau zur Verfügung – und das bei insgesamt elf Industriezweigen. Eine Herausforderung“, erklärt Sandra Bothe, die den Besuchern den inhaltlichen roten Faden erläutert. Die Blockwarte des Kernkraftwerkes auszustellen oder einen Keramik-Brennofen, hätte das Platz-Budget gesprengt. Schlussendlich habe man sich auf die Idee geeinigt, stattdessen die Menschen an ihren Arbeitsplätzen zu zeigen. So habe die Schau „ein schönes Gesicht“. Großformatige Fotos auf Schautafeln zu den einzelnen Industriezweigen zeigen nun die Arbeiter am Brennofen, an der Wassermühle, in der Carmolfabrik, im Maschinenhaus des AKW. In Vitrinen zeugen kleinere Exponate von den Verschiedenen Fabriken und Manufakturen. Vor einer großen Extravitrine können die Besucher über einem Rheinsberger Stadtplan mit exakt 25 Fähnchen raten, welche der 25 Produktionsstandorte der elf Industriezweige sie kennen oder zuordnen können. Die Exponate zu finden, sei manchmal schwer gewesen: Für die optische Firma Oculus etwa habe man wenig gefunden. Als Last-Minute-Exponate habe man doch eine Kittelschürze der EPW aufgetrieben und einen alten Holzschemel des Holzbetriebs Hüttenrauch. „Hans-Norbert Gast hat noch seinen allerersten Fernseher Baujahr 1974 aufgehoben und beigesteuert. Ich war überrascht, dass er ihn aufgehoben hat. Seine Frau übrigens auch“, sagt Sandra Bothe und lacht. Was in keiner Ausstellung des Vereins der Stadtgeschichte fehlen darf, so erklärt Jörg Möller, ist ein Gemälde zum Ausstellungsthema. Die Rheinsberger Malerin Hildegard Frede hat wieder zum Pinsel gegriffen. „Diesmal war`s schlimm“, sagt sie und schmunzelt. Der Grund war die historische Vorlage: Vom ersten Gebäude der Carmolfabrik gab es nur ein einziges Foto: eine Ansichtskarte von 1927. Das Bild dagegen strahlt.

 
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