STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Passionsgeschichte als Wandgemälde

Jürgen Rammelt
(aus: Ruppiner Anzeiger; 05.05.2020)

Passionsgeschichte als Waldgemälde
Es war eine große Überraschung: Als bei den Restaurierungsarbeiten in der Rheinsberger Kirche im vergangenen Jahr ein nicht mehr benötigter Schornstein im Inneren des Gotteshauses abgerissen wurde, stießen die Restauratoren auf eine Malerei, die Rätsel aufgab. Schnell war klar, dass es sich bei dem Rankenmuster um etwas besonderes handeln musste. Je mehr die Putz- und Farbschichten an der Nordwand freigelegt wurden, umso mehr war von dem Wandbild zu sehen. Inzwischen ist die Restaurierung des Rheinsberger Gotteshauses abgeschlossen und das Geheimnis der Malerei gelüftet. Sandra Bothe, Mitglied der Restauratoren-Gemeinschaft Rheinsberg, war mit der Sanierung der Kirche beauftragt. Für sie steht fest, dass es sich bei der Darstellung and der Wand um eine Malerei aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts handelt. „Es könnte in den 1460er-Jahren gewesen sein, als die Kirche den bildlichen Schmuck erhalten hat“, so die Restauratorin. Darauf deuten vor allem zwei Wappen hin, eines der Patronatsfamilie von Bredow und das Wappen derer von Platen. „Beide Familien bildeten zu dieser Zeit eine Allianz“, erklärte Jochen Hochsieder, der als Restaurator in der Region kein Unbekannter ist und sich mit der Rheinsberger Geschichte auskennt. Obwohl nur eine wenige Quadratmeter großer Teil der Darstellung freigelegt wurde, geht Hochsieder davon aus, dass das bereits zur großen Umbauphase 1568 überputze Wandbild ursprünglich weitaus größer war und weitere Episoden aus der biblischen Geschichte dargestellt wurden. Zu sehen sind neben wildwuchernden Ranken, die den Garten Eden beziehungsweise das Paradies symbolisieren, die beiden Wappen der Stifterfamilien, Jesus als Weltenrichter und Szenen aus der Passionsgeschichte. Da die Entdeckung des Wandbildes und dessen vollständige Konservierung allerdings nicht im Auftrag enthalten waren, beschränkten sich die Arbeiten in vorigen Jahr lediglich auf eine Notsicherung des Bildes. Für die Restauratoren, für die Kirchengemeinde und für die Denkmalpfleger, die die Arbeiten begleiten, war die Entdeckung der mittelalterlichen Malerei eine Sensation. Gemeinsames Ziel war es, dass in Abstimmung mit den Denkmalpflegern die Darstellung in Formeines so genannten Sichtfensters dauerhaft der Öffentlichkeit präsentiert wird. Daran wird zurzeit gearbeitet. Möglich wurde die Konservierung, weil sich über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ein Einzelspender bereit erklärte, das Vorhaben zu finanzieren. „Der Sprecher will unbekannt bleiben“, berichtet der Rheinsberger Pfarrer Christoph Römhild, der sehr dankbar ist. Seit dem 14. April sind Jochen Hochsieder und Sandra Bothe nun dabei, die Wandmalerei zu sicher. Es ist eine komplizierte Prozedur. Wie Hochsieder erklärt, wurde das Bild auf seiner Putzschicht gemalt, die auf einem Feldsteinmauerwerk ruht. „Die Verbindungen zu den Feldsteinen ist nicht besonders fest“. Deshalb ist Festigung besonders aufwändig. Die Malerei soll zudem lediglich konserviert werden. „Da wird nichts nachgemacht oder gar übermalt“, berichtet Hochsieder. „So etwas macht man heute nicht mehr.“ So werden winzige Löcher in das Bild gebohrt, in die Röhrchen kommen, durch die dann Injektionsmörtel gespritzt wird, um das Ganze zu verfestigen. Außerdem werden Risse und Fehlstellen mit einer Kalkmörtelmischung verschlossen. Für Jochen Hochsieder ist die Rheinsberger Kirche im Land Brandenburg ein besonderes Gotteshaus. Neben der Gotik sei vor allem die Architektur der Renaissancezeit zu erkennen. „Die Handwerker haben hier eine hervorragende Arbeit geleistet“, ist der Diplomrestaurator überzeugt. End Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bothe und Hochsieder hoffen, dass dann auch wieder Gottesdienste und Konzerte in der Kirche stattfinden dürfen, die jetzt wegen der Corona-Pandemie nur eingeschränkt möglich sind.

 
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