STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
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Presseberichte

Uhrenhandwerk in Rheinsberg

Eckart Bartel
(aus: Märker; 09.11.2013)

Reparatur von Turm- und Schuluhren gehörte dazu
Zwar konnte der Verein Stadtgeschichte Rheinsberg bisher nicht in Erfahrung bringen, wann sich der erste Uhrmacher oder Uhrenhändler in Rheinsberg niederließ — ab dem Jahr 1832 aber gibt es eine Reihe von interessanten Nachweisen.
Ortschronist Erich Goßmann erwähnt dieses Handwerk in seinen Aufzeichnungen mit dem Jahr 1832, indem er unter den Uhrmachern und Uhrenhändlern einen Fritz Streuber nennt und wenig später, 1836, Heinrich Tostmann. Es folgen dann mehrere Namensnennungen, jedoch ebenfalls ohne Angabe von Adressen. Daran schließen sich Angaben zu Uhrmachern an, die anhand vorliegender Daten beleg-bar sind. Unter ihnen war auch Uhrmachermeister Julius Gottfried August Birkenfeld. Er kümmerte sich im Jahr 1856 um die Reparatur der Turmuhr in der Rheinsberger Kirche. Leider ist bisher unbekannt, wo dieser Uhrmacher sein Geschäft hatte. Goßmann zur Reparatur der Turmuhr: „Birkenfeld unterzog diese Uhr einer gründlichen Reparatur und verlangte dafür 30 Reichstaler, wünschte aber als Auszahlung aus der Kirchenkasse nur 15 Reichstaler. Alle Mühen brachten an dem alten Instrument keinen Erfolg, denn ein Sturz des Werkes aus der Uhrkammer hatte doch zu großen Schaden hinterlassen. So wurde Tischlermeister G. Paul mit den entsprechenden Tischlerarbeiten an der Uhrenkammer beauftragt. Die sich daraus ergebenden Arbeiten an dem mechanischen Triebwerk der Uhr führte im April 1866 der Rheinsberger Uhrmacher Wolter aus. Er verlangte dafür zwei Reichstaler, sieben Silbergroschen und sechs Pfennige. Wolter hatte seine Werkstatt in der Mühlenstraße 1. Seine Vorfahren waren ebenfalls Uhrmacher: Bereits um 1870 war H. Wolter dort als Uhrmacher tätig, gefolgt von Max Wolter (1900 bis in die 1920er Jahre). Ihn löste Bruno Wolter ab, der das Geschäft bis 1923 führte. Die Ära der Uhrmacherfamilie Wolter endete mit Erich Wolter, der dann von zirka 1926 bis Anfang der 1930er Jahre dort das Handwerk noch ausübte. Aber auch in den gern als „gute alte Zeit" beschriebenen Jahren hat es schon Kriminalität in dem sonst so beschaulichen und ruhigen Rheinsberg gegeben. Der „Gemeinnützige Anzeiger für den Ruppiner Kreis und die Umgegend" vom 8. Februar 1872 berichtete, dass in das Geschäft des Uhrmachers H. Wolter in der Mühlenstraße 1 am 3. Februar nachts um 1 Uhr eingebrochen wurde, wobei einige, teils wertvolle Uhren abhandenkamen. Die entsprechende Zeitungsnachricht der Polizeiverwaltung liegt noch heute vor. In der Schlossstraße 12, früher Nummer 35, befanden sich von 1901 bis 1945 Uhrengeschäft und Werkstatt von Max Würfel. In dem einstigen Uhrmachergeschäft befand sich zu DDR-Zeiten ein Kurzwarengeschäft und nach der Wende folgte ein Imbiss. Auch Meister Würfel brachte sich mit seiner Handwerkskunst in die Gestaltung Rheinsberger Gebäude ein. Er baute zum Beispiel die Signaluhranlage für die damals neue Schule in der Schlossstraße. Leider gingen er und seine Ehefrau Meta zum Kriegsende 1945 mittels Gifts in den Freitod. Beide Namen sind auf einer dem Verein Stadtgeschichte Rheinsberg vorliegenden „Totenliste für Selbstmörder und Ermordete" aus dieser Zeit aufgeführt. Auch als Zeitungsverleger hat sich ein Rheinsberger Uhrmacher versucht. Uhrmacher Heicke brachte 1884 die erste Rheinsberger Zeitung heraus. Doch sie hatte nicht lange Bestand, obwohl sich noch mehrere weitere Verleger daran versuchten. Ihr Erscheinen wurde nach kurzer Zeit eingestellt. 1894 brachte Carl Thurmann die zweite Rheinsberger Zeitung heraus, die bis 1942 erschien.
Älteren Rheinsbergern dürfte auch noch das Uhrengeschäft von Hermann Hasler in der Berliner Straße 23, ehemals Nummer 35, gut in Erinnerung sein. Hasler hatte das damals noch einstöckige Haus im Jahr 1919 von einem namentlich nicht bekannten Tierarzt gekauft. Nur über dem kleinen Laden war zu dieser Zeit ein Zimmer ausgebaut. Erst im Jahr 1934 begann der Uhrmachermeister damit, die heute noch vorhandene obere Etage aufzubauen. In diesem Geschäft waren neben Uhren auch andere optische Erzeugnisse und Schmuck erhältlich. Berichten von Zeitzeugen ist zu entnehmen, dass Frau Hasler (ihr späterer Name war Reichel) das Geschäft zusammen mit Ihrer Schwester, Frau Deibel, noch bis Anfang der 1970er Jahre aufrechterhielt. Bis Februar 1968 war dort auch Uhrmacher Rudi Pfeifer als Angestellter tätig. Pfeifer legte bereits im Jahr 1955 die Prüfung als Uhrmachermeister ab, ließ sich aber erst ab März 1968 mit einem eigenen Geschäft in der Seestraße 22 nieder. In Anerkennung seiner langjährigen Tätigkeit überreichte ihm die Handwerkskammer des Bezirkes Potsdam dann am 29. September1980 zum 25-jährigen Meisterjubiläum die Jubiläumsnadel des Handwerks. Rudi Pfeifer arbeitete dort bis zu seiner Pensionierung im Dezember 1991. Auf drei Uhrmachergenerationen kann Ralf-Raymond Jonas zurückblicken. So ist es in der Beilage des Ruppiner Anzeigers vom 29. Juni 2002 „Rheinsberg mit einer Stippvisite durch verschiedene Kirchen" zu lesen. Weiter wird darin beschrieben, dass die Familie aus Pritzwalk stammt, wo bereits Vater und Großvater dieses Handwerk ausübten. Bei seinem Vater erlernte Ralf-Raymond Jonas das Uhrmacherhandwerk und eröffnete dann am 18. Mai 1991 mit seiner Frau Steffi das Uhren- und Schmuckgeschäft in der Rheinsberger Schlossstraße 1. Bald hatte Jonas in der Stadt Fuß gefasst und reparierte unter anderem die Turmuhr der Kirche. Inzwischen kann er auf 22 Geschäftsjahre zurückblicken. Ebenfalls auf drei Generationen kann Uhrmachermeister Frank Lotter verweisen. Schon sein Großvater, Johannes Lotter, arbeitete seit 1911 in Berlin selbst-ständig in diesem Beruf. Seine Gesellenprüfung legte Großvater Lotter im Jahr 1900 und die Meisterprüfung 1953 ab. In Rheinsberg hatte Johannes Lotter seit 1932 für kurze Zeit in der Seestraße 24 sein Uhrmacher-geschäft, ab 1933 dann in der Königstraße 8. Im Jahr 1959 legte er zusätzlich die Meisterprüfung im Optikergewerbe ab. Er reichte den Staffelstab als Uhrmacher dann 1972 an seinen Sohn Hans-Siegfried weiter und war dann bis Februar 1975 neben seinem Sohn ausschließlich als Optiker tätig. Frank Lotter berichtet, dass sein Vater im Jahr 1981 verstarb und das Geschäft daraufhin für zehn Jahre geschlossen blieb. Nachdem Frank Lotter 1988 seine Meisterprüfung als Uhrmacher abgelegt hatte, machte er sich daran, dass inzwischen stark sanierungsbedürftige Haus und den Laden in der Königstraße 8 zu renovieren. Im Jahr 1992 wagte der junge Uhrmachermeister den Schritt in die Selbstständigkeit. Inzwischen hat sich gezeigt, dass es trotz einiger Höhen und Tiefen die richtige Wahl war. Sein kleines Unternehmen kann in diesem Jahr immerhin schon auf das 21-jährige Bestehen zurückblicken.

 
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