STADTGESCHICHTE RHEINSBERG  e. V.
 
 
  Verein

Vortrag: Das Heim am See

Sehr gut besucht war am Dienstag, 13.März 2018, der Vortrag des Verein Stadtgeschichte Rheinsberg e.V.
Günter Scholz, ehemaliger Besitzer des "Heim am See" in der Reuterpromenade 8, berichtete an diesem Abend aus seiner Zeit in dieser Einrichtung. Über 80 Zuhörer hatten sich eingefunden um mehr über das manchmal etwas geheimnisvoll anmutende Haus zu erfahren.
Im Jahr 1975 wurde es durch die Familie Scholz von Fräulein von Heymann käuflich erworben. Seine Idee war, hier ein Heim für behinderte Kinder einzurichten. Das jedoch fand bei den in der DDR zuständigen Stellen keine Zustimmung und wurde somit nicht genehmigt.
So betrieb er das Heim mit Fräulein von Heimann weiter als Ferienheim mit vegetarischer Kost. Der Betrieb an sich erwies sich als erfolgreich. Man setzte hier jedoch auf vegetarische Kost und möglichst vollständige Selbstversorgung aus dem, was der Garten hergab. Das ging längst nicht immer auf und es mussten entsprechende Mengen zugekauft werden. Das war bei der oftmals sehr engen Versorgungslage in der damaligen DDR nicht immer einfach.
Die Rheinsberger glaubten zu wissen, dass es in diesem Hause nur sogenanntes "Grünzeug" zu essen gab und daraus entstand die Annahme, dass damit auch Hunger verbunden sein müsste. Daher wurde diese Einrichtung im Volksmund auch "Hungerheim" genannt.
Über Gästemangel konnte man im Heim am See nicht klagen. Aus verschiedensten Gegenden reisten Menschen an, die sich einfach mal aus dem Alltag lösen und das einfache Leben genießen wollten. Denn es ging hier oftmals wie in alten Zeiten zu. Geerntete Früchte aus dem Garten wurden verarbeitet und eingeweckt, oder anderweitig konserviert. Tierische Erzeugnisse gab es durch die Haltung von Schafen und Geflügel ebenfalls. Gleichzeitig diente ein Teil von ihnen für die tägliche Ernährung. Gekocht wurde auf einem offenen Holzfeuer. "Doch es war nicht immer so, dass nur sogenanntes "Grünzeug" verzehrt wurde" berichtete Scholz.
Im Jahre 1987 erfolgten Umbau und Modernisierung der Zimmer. In den Zimmern wurde ein Warmwasseranschluss geschaffen Die Heizung wurde saniert und ein moderner Gastraum eingerichtet, denn inzwischen war hier ein der Öffentlichkeit zugängliches Cafe eröffnet worden, das großen Anklang fand.
Nach der Wende sanken die Besucherzahlen fast auf null. Bis zum Jahr 1991 betrieb Günter Scholz die Einrichtung noch weiter. Jedoch konnte ein Verkauf nicht mehr abgewendet werden.
Eckhard Bartel

Günter Scholz berichtet aus der Geschichte des "Hungerheims" (Fotos: Albrecht)

Zuhörerschaft
 
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